Liebfrauenkirche

Geschichte der Pfarrei Liebfrauen in Dortmund

Foto: Christian Grieger Die anhaltende Migration aus dem Sauer- und Siegerland sowie bald auch aus Polen und Italien war die Aufgabe, die sich der Propsteigemeinde im 19. Jh. stellte und zur Gründung der Liebfrauengemeinde führte. Die ehemalige freie Reichsstadt Dortmund wuchs durch die Industrialisierung übermäßig an. Im Jahre 1818 lebten hier 4289 Bürger, 1867 waren es schon 33.453 ; die Katholikenzahl in Dortmund ( = Propsteigemeinde) wuchs in diesem Zeitraum von 1.200 auf rund 20.000. Der Kirchenvorstand musste handeln. Am 14.1.1866 beschloss er den Bau einer zusätzlichen Pfarrkirche .

Oberbaurat Schmidt (Wien) legte schon 1874 den Entwurf des Bauplanes der Liebfrauenkirche vor. - Am 21.3. 1878 erwarb die Propsteigemeinde für 54.000 Mark ein Grundstück fast im freien Felde vor der Stadtmauer nahe dem Westentor für eine Kirche, eine Schule und ein Pfarrhaus. Auf diesem Gelände wurde vorerst zur Beschaffung des Baumaterials eigens eine Ziegelei gebaut, die dann drei Jahre im Betrieb war. Die Urkunde der Grundsteinlegung trägt jedoch erst das Datum 11.6.1881. Ihre feierliche Form geschah am 4.9.1881 . Konsekriert wurde die größte Kirche Deutschlands Unsere Liebe Frau in Dortmund schließlich am 11. Dezember 1883. - Den Grundstein hatte man dem Westportal der Propsteikirche als Symbol der Tochterschaft entnommen. An Mitgift der Muttergemeinde erhielt Liebfrauen : Kommunionbank, Orgel, Kanzel, Sakristeischrank und vier Glocken. Zwei davon läuteten zur Kirchweihe, die beiden größeren wurden nachgeliefert (Januar 1884).

Wer den hoch aufragenden Kirchbau sieht, denkt, die Kirche sei für die Ewigkeit gebaut . Doch nach 25 Jahren 1909 wurden sie wieder eine Baustelle : Die Sandsteine verwitterten zusehends, so dass eine langwierige und kostspielige Außenrenovierung geschehen musste ; zusätzlich erhielt der Westeingang die große Außentreppe und die Kirche eine Heizung (1910) . Elektrisches Licht wurde erst 1922 installiert. Zur Unterbringung der Vikare wurde die Kaplanei gebaut und für die Familie des Küsters ein halbes zweistöckiges Haus an der Mauer zum St.-Johannes-Hospital.

Neun Jahre nach der Errichtung der Liebfrauengemeinde war sie bereits auf 30.000 Seelen angewachsen (Jan. 1909). Die Zugezogenen waren eher als Entwurzelte anzusehen Um sie zu integrieren, wurden Vereine gegründet - getreu dem Wort des sozialen Mainzer Bischofs Wilhelm Emanuel von Ketteler : Wie die Verhältnisse so liegen, ist die Gründung eines Vereins oft wichtiger, als wenn eine neue Kirche gebaut wird. Sie legten gewiß großen Wert auf Geselligkeit , doch in der Gemeinde der Christen spürte man auch den Hunger nach Gerechtigkeit und Würde . Es herrschte besonders in den großen Familien Existenznot . Also waren zuerst Caritas , Solidarität und Fürsorge gefragt .

Wegen der fehlenden Mittel konnte die große, viel beachtete Ausmalung der Kirche (Augustin Kolb, Offenburg) erst 1926 geschehen; der bevorstehende Katholikentag in Dortmund (1927) machte es möglich.

Der Krieg war eine einzige Katastrophe .  Schon im Herbst 1945 kehrte Vikar Hermann Hoppe wieder heim und leitete tatkräftig als Pfarrverweser und später als Pfarrer den Wiederaufbau der Gemeinde. Liebfrauen hatte im November 1945 noch fast 1200 Mitgliede (von 9500 vor dem Kriege) . Die verbliebenen Gläubigen bauten nicht nur ihre Wohnungen, sondern auch ihre Kirche wieder auf - alles nebenbei.

Der gemeinsame Aufbau der Gemeinde führte zu einer Solidargemeinschaft , die sich um ihre verdienten Priester scharrte um Pfarrer Hermann Hoppe (+ 12.2 81) und Prof. Dr. Friedrich Grütters (+ 26.10.94). Wer in der Gemeinde geglaubt hat , endlich Ruhe am Bau zu haben , der hat sich genau so geirrt. Mit Schrecken erfuhr Liebfrauen von den schweren Schäden an Kirche und Turm ; der Wiederaufbau nach 1946 war nicht gründlich genug erfolgt. So geschahen von 1982-87 unfangreiche Erneuerungsarbeiten , innen und außen. Die Turmspitze erhielt eine neue Kreuzblume.

Bald danach stellte sich heraus , dass die Gemeinde immer kleiner und älter wurde . Die Zahl der Vereine ging spürbar zurück . Die Frauengemeinschaft , KAB und der Kirchenchor fanden wenig bzw. keinen Nachwuchs. Ab Mai 2002 wurden Teile der Kirche gründlich saniert, das Relief über dem Seiteneingang restauriert, die Westtreppe erneuert sowie mehrere Wasserschäden an verschiedenen Stellen behoben. Im Zuge dieser Renovierungsarbeiten stellte sich weiterer Handlungsbedarf heraus. Im Oktober 2002 meldete der Kirchenvorstand dem Erzbischöflichen Bauamt erneuten Baubedarf an.

(Alfons Budde)

 

Hoher Sanierungsbedarf und eine kleiner gewordene Gemeinde hatten 2008 zu der Entscheidung geführt, die Liebfrauenkirche umzunutzen und die Gemeinde mit der Propsteigemeinde zu vereinen. Mit einem Investitionsvolumen von rund 4 Millionen Euro erfolgte der Umbau. Die Hälfte davon war für die Turm- und Außensanierung erforderlich.

Mit der Grabeskirche Liebfrauen wurde am Dienstag, 2. November 2010, dem Fest Allerseelen, in Dortmund die erste Kirche für Urnengräber im Erzbistum Paderborn eröffnet.

In einem Wettbewerb hatte das Berliner Architekturbüro von Professor Volker Staab den Zuschlag für die Umgestaltung des Innenraumes erhalten. Nach diesem Entwurf sind die Urnengräber niedrig und erinnern an Kirchenbänke, so dass der Kirchenraum in seiner Wirkung erhalten bleibt. Die in Gruppen angelegten Urnenfelder werden jeweils nach den Namen von Heiligen benannt.

Das künftige Angebot der Grabeskirche soll über reine Bestattungsmöglichkeiten hinaus reichen und etwa auch Trauerbegleitung vermitteln.